„…schnell noch ein kleines kölsch“ - Was Politiker so Twittern von Philippa

von Philippa von Dörnberg

15. April 2009

„Würde lieber Fußball schauen. Man kann eben nicht alles haben. Wie stehts?“ so zwitschert es angeblich Franz Müntefering (mit tatsächlich 2363 Verfolgern). In diesem mühevoll gefälschten Profil wird Privates mit Politik vermischt.

Auch seine Regierungskollegin Angela Merkel hat im Twitterkanal Nachahmer. Fünf Fake-Profile (z.B. http://twitter.com/merkel) oder das mit fast 700 Followern (Abonnenten von Updates von einem Profil) prominenteste Fake.

Andere Spitzenpolitiker wie auch Guido Westerwelle mit 456 Followern ereilt ein ähnliches Schicksal. Bürger „adoptieren“ Politiker und füllen sein Profil mit Inhalt – nicht immer zum Vorteil des Politikers. Diese Profile, da persönlicher als die echten, wenn es diese den gibt, erfahren oft eine breitere Resonanz.

Deutsche Politiker und Parteien versuchen sich in den neuen Wahlkampf-Kanälen wie Facebook, Studivz oder eben der Mikro-Blogging-Dienst Twitter, der seinen Usern anbietet, in Kurznachrichten über 140 Zeichen seine Follower über Neuigkeiten zu informieren. Twitter ist durch den erfolgreichen Internet-Wahlkampf vergangenen Jahres des US-Präsidenten Obama auch in der deutschen Politik en vogue. Allerdings ist dieser Wahlkampf kaum auf Deutschland übertragbar. Sodass in der Nordkurve, der Wahlkampfzentrale der SPD im Willy-Brandt-Haus sogar ein Sparschwein steht, in das jeder dem „Obama“ über die Lippen kommt, fünf Euro werfen muss.

Über Twitter konnten die Abonnenten von Obamas Profil (814.863 Nutzer) seinen Wahlkampf täglich verfolgen. Obama ließ sogar über Twitter verkünden, dass er keinesfalls für das Amt des Vizepräsidenten unter Hillary Clinton zur Verfügung stehen würde. Clinton stieg später als ihr Parteikonkurrent in den Twitter-Wahlkampf ein und hat mit 13.357 Followers deutlich weniger Nutzer. Aktuell kommuniziert sie intensiv ihre diplomatischen Aktivitäten als US-Außenministerin als Teil der neuen Strategie „Digitale Diplomatie“.

Die Kurzstudie „Politik im Web 2.0 in Deutschland“ konstatiert deutschen Parteien eine niedrige Twitteraktivität mit recht wenigen „Follower“. Nur die Jugendorganisationen sind aktiver. Die kleinen Parteien wie die Grünen und FDP gehören zu dem Spitzenreiter unter den twitternden Parteien. Die Zahl der echten und gefakten Twitter-Seiten steigt mit den naherückenden Wahlterminen täglich an. Unter den „big movers“ ist auch der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil mit 2184 Followers und vielen aktuellen Tweets. Seine Updates sind authentisch, zeitnah und prägnant. Neulinge auf Twitter sind das erfolgreiche Youtube-Duo der FDP, Hermann-Otto Solms (257 Nutzer) und Otto Fricke (327 Nutzer), die beide täglich zwitschern.
Zwitschern by twitter.com
Bild: Zwitschern by twitter.com

Die Wahlkampftauglichkeit von Twitter ist umstritten. Der von einem falschen Profil auf Facebook und Twitter geplagte Landesvorsitzende der hessischen SPD, Torsten Schäfer-Gümbel, zwitschert über Privates (z.B. sein hoher Kaffeekonsum), kommentiert das aktuelle politische Geschehen oder beantwortet Fragen seiner 2.555 „Follower“. „TSGHessen“ zwitschert mehrmals täglich und ist einer der aktivsten Politiker in diesem Kanal mit seinen 183 updates (Twitterchart: http://www.popkulturjunkie.de/wp/?p=4207).

Schäfer-Gümbel musste angesichts seiner kurzen Wahlkampfphase schnell Nähe zu seinen Wählern aufbauen und nutzte dementsprechend Twitter. Diese Nähe kann illusorisch sein. Durch die begrenzte Zeichenanzahl sind die Beiträge schneller aber teilweise diffus. Auch ob neue Wähler durch Twittern gewonnen werden können, ist bisher fraglich. Internet-Pionier Obama hat nur seine Unterstützer in den Internetgemeinden gesammelt, die er schon hinter sich hatte.

Twittern wird wohl ein ergänzendes Medium zum klassischen Plakatwahlkampf in den nächsten Monaten sein. Dieses ist leicht zu begründen mit der relativen Unerfahrenheit der Politik mit diesem Tool. Die Hauptschwierigkeit beim Twittern wird sein, dass sich nicht vorhandene Nähe zum Wähler nicht durch Twittern künstlich aufbauen lässt: Technik ersetzt Charisma nicht!

Artikel und Links:

Um sich einen Überblick zu verschaffen, lohnt ein Blick auf die Seite http://wahl.de. Diese misst die Internetaktivität der Politiker und Parteien. Die einzelnen Kanäle – Youtube, Twitter, etc. – werden gesondert bewertet. Besonders wichtig: Sie gibt auch an, ob es sich um das Original oder ein Fake handelt.

Aktueller Artikel:

http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Wahlkampf;art15532,2764546

Co-Founder von Twitter bei Stephen Colbert:

http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/223487/april-02-2009/biz-stone

Kategorie: Zukunft 2.0

Tags: , , , , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfeld

Pflichtfeld (versteckt)

Erlaubte HTML-Tags
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Team und Unterstützer

Christoph Gerlinger CEO, Frogster Intercative Pictures

"Unterhaltung im Internet ist kult. Das Internet schafft so eine neue Kultur. Deshalb unterstützen wir die Internetrepublik und ihre Ziele."

About

Die Internetrepublik wurde von jungen Menschen und Unternehmern gemeinsam initiiert, um für Politik im Netz zu begeistern.

Video


Agenda

Twitter

Links Politik & Netzkultur

Unterstützer


plista make.tv tape.tv smsguru hitflip zanox Affiliate Marketing Netzwerk sportme cfp netzathleten amazee joinr buyvp babla frogster tammudo yasni